Super Mario Bros. 2 - The Lost Levels


von Seppatoni
17.10.2002

Wer hier nun einen Test "unseres" Super Mario Bros. 2 erwartet hat, der wird wohl erst einmal ein bisschen schockiert sein. Der hiesige Nachfolger des erfolgreichen Erstlings hat mit diesem Spiel eigentlich rein gar nichts am Hut. Das japanische Super Mario Bros. 2 erschien nur für das Famicom Disk System, eine Art Diskettenlaufwerk für's NES, und bot eigentlich "nur" das alte Super Mario Bros. für Hardcore-Gamer. Doch alles schön der Reihe nach...

Bowser hat sich nicht mit der Niederlage und dem Verlust der Herrschaft über die Schwammerlwelt abfinden können, so dass er kurzerhand erneut Prinzessin Toadstool entführte. Die Bewohner des Schwammerllandes, allesamt Pilzköpfe, wurden in alle möglichen Gegenstände und Wesen verwandelt, seien das jetzt Goombas oder auch steinerne Blöcke. Klar, dass sich Mario und Luigi auch dieses mal wieder ein Herz fassen und den Kampf gegen Bowser erneut aufnehmen.

Gleich zu Beginn des Abenteuers müsst ihr euch für einen der beiden Klempner-Brüder entscheiden. Im Gegensatz zum ersten Abenteuern weisen sie hier unterschiedliche Fähigkeiten auf. Mario ist der gewohnt schnelle, sprunghafte Typ, wie man ihn bereits aus dem Vorgänger kennt, Luigi allerdings hat seit damals enorm an seiner Sprungkraft gearbeitet und springt nun wesentlich höher als sein Bruder. Jedoch kann er nach einem Spurt nicht sofort abbremsen, sondern rutsch erst noch ein bisschen, was vor allem bei Abgründen sehr gefährlich werden kann.

Unterstützt werden die Brüder, wie schon im ersten Abenteuer, durch diverse Items. Ein Pilz verleiht ihnen Superkräfte und sie wachsen um das doppelte ihrer eigenen Körpergröße. In diesem Zustand verlieren sie bei einem Kontakt mit einem Widersacher nicht direkt ein Leben, sondern man schrumpft erst einmal auf die alte Größe zurück. Wird dann auch noch eine Feuerblume aufgenommen, so kann den Gegnern mit Feuerbällen ordentlich eingeheizt werden. Wer allerdings gleich das Glück hat, einen Stern zu finden, der kann seine Gegner gleich über den Haufen rennen, doch leider hält die Unverwundbarkeit nur kurze Zeit. Die Krönung aller Items ist aber der 1-Up Pilz, er verleiht Mario und Luigi ein zusätzliches Leben, was auf dem Weg zu Bowser wirklich sehr wichtig sein wird. Doch es gibt nicht nur gute Items. Bowser hat ein einigen Blöcken Fieserweise Giftpilze versteckt, deren Berührung Mario überhaupt nicht gut bekommt. Entweder schrumpft er wieder auf die alte Körpergröße zurück oder er wird gänzlich in die ewigen Jagdgründe geschickt.

Ansonsten liegen natürlich die altbekannten Münzen überall herum, die durch das Einsammeln von 100 Stück ein weiteres Extraleben rausspringen lassen. Diese Münzen lassen sich oftmals in diversen Bonusräumen finden, so lassen sich z.B. manche Röhren hinunterklettern, um dort eine Kammer voller Goldstücke vorzufinden. Vereinzelt lassen sich auch Bohnenranken entdecken, mit deren Hilfe Mario und Luigi über die Wolken gelangen und dort reichlich Münzen einsacken können. Doch im Vergleich zum ersten Teil ist dies nicht mehr ganz ohne Gefahr möglich. So warten im inneren der Röhre teilweise Gegner wie Kugel Willi oder tödliche Abgründe auf die beiden Brüder. Ebenfalls ist es möglich, wie auch beim Himmel, dass man nach dem Verlassen des Bonuslevels wieder an eine Stelle anfangs des Levels transferiert wird und bei dem knappen Zeitlimit kann das schon mal hektisch werden.

Natürlich gibt es auch in diesem Spiel die Möglichkeit, per Warp ein paar Level zu überspringen. Und im Vergleich zum Vorgänger, wo ein einfaches an der Decke Entlangrennen bereits zum Erfolg führte, ist hier eine bessere Suche vonnöten. Auch kann man durchaus mal in Gefahr laufen, dass man zu einem umgekehrten Warp gelangt, so kann man schnell mal wieder 2 Welten zurückfallen, die man eigentlich bereits absolviert hat. Die Levels selber treten in den gleichen Arten auf wie es schon aus dem ersten Teil bekannt ist. Ganz normale Levels auf der Oberwelt überwiegen dabei natürlich, aber auch die Ausflüge in den Untergrund, ins Wasser, auf höhere Plattformen und in Bowsers Schlösser kennt man bereits. Neu hinzugekommen ist jedoch ein Level, der sich über den Wolken abspielt.

Auch in den Levels lassen sich einige Neuerungen finden. So gibt es neben den bisher bekannten grünen Piranha-Pflanzen nun auch rote, die im Gegensatz zur grünen auch aus der Röhre herauseilt, wenn Mario ganz in der Nähe ist und zudem noch in Röhren vorkommt, die kopfüber an der Decke hängen. Zusätzlich gibt es auch noch alternativ zum roten ein grünes Trampolin, welches die beiden Helden für einige Sekunden durch die Luft fliegen lässt. An einigen Stellen des Spiels tritt auch mal ein starker Wind in Aktion, mit dessen Hilfe, gutes Timing vorausgesetzt, man weite Abgründe geschickt überwinden kann.

In Sachen Leveldesign haben sich die Programmierer ordentlich was einfallen lassen. Knifflige Sprungpassagen machen den Spielern das leben schwer, so muss man teilweise fliegende Koopa Troopas als Sprungbrett benutzen, um auf diese Weise einen höllischen Abgrund zu überqueren, das richtige Timing ist an einer solchen Stelle wirklich absolut notwendig, da auch nur der kleinste Fehler einen tödlichen Sturz zufolge hat. Außerdem treten auch die Gegner in größeren scharen auf. Die Hammerwerfer kann man nicht mehr durch einfaches von unten heranspringen besiegen, da einfach die Blöcke dazu nicht mehr vorhanden sind. Abwarten bringt da auch nicht viel, da sie oftmals direkt auf Mario zu marschieren. Die Labyrinthe in Bowser's Schlössern sind ebenfalls um einiges kniffliger als im Vorgänger. Zeitweise lassen sie sich Labyrinthe auch in den Oberwelten blicken. So kann es sein, dass man, wenn die Bohnenranke für den weiteren Weg nicht gefunden wird, die ganze Zeit im Kreis rumrennt und fast zu verzweifeln beginnt.

Das Spiel besteht aus 32 Levels, unterteilt in 8 Welten. Als ob dies nicht schon genüg wäre, haben die Entwickler gleich noch mal etwas in die kleine Diskette reingepresst und zwar die kaum bekannte und geheimnisvolle 9. Welt. Nur unter bestimmten Voraussetzungen ist es möglich, diese wirklich seltsame Welt zu betreten.

Optisch sieht Super Mario Bros. 2 praktisch identisch zum ersten Teil aus, lediglich die Hintergründe wurden teilweise etwas aufpoliert und mit ein paar neuen Bäumen und Pilzen versehen. Akustisch hingegen hat sich überhaupt nichts getan, weiterhin wird man mit dem klassischen Super Mario Bros. Soundtrack verwöhnt.

Die japanische Version von Super Mario Bros. 2 wendet sich vor allem an solche Spieler, die den ersten Teil bis zum Umfallen gespielt haben. Die zahlreichen Geheimnisse, super-kniffligen Passagen und harten Gegner fordern auch den besten Spieler heraus. Im Vergleich zum etwas lineareren Vorgänger macht Super Mario Bros. 2 vor allem beim Leveldesign einen sensationellen Eindruck, man holte alles aus den Möglichkeiten raus. Zwar sind einige Frustmomente inbegriffen, aber insgesamt bietet das Modul doch weitaus mehr Abwechslung als der Vorgänger und mit 2 unterschiedlichen Spielfiguren auch noch einen weiteren Grund, das Game mehrmals durchzuspielen. Super Mario Bros. 2 ist ein wirklich sehr gelungener Titel, der es leider nicht nach außerhalb Japans geschafft hatte (das Spiel schien zu anspruchsvoll für den Westen). Schade ist nur, dass der 2-Player-Modus weggefallen ist.

Übrigens: All diejenigen die nicht über die Möglichkeiten verfügen, das Original zu spielen, aber trotzdem gerne mal das Spiel antesten möchten, können zu "Super Mario All-Stars" (SNES) oder zu "Super Mario Bros. DX" (GBC) greifen. In diesen Spielen ist das Original in abgeänderter Form enthalten. In Sachen Schwierigkeitsgrad aber kein Vergleich, da man sich beim Original mit 3 Leben ohne Continues und ohne Speicherfunktion zufrieden geben musste...


Wertung


8/10

Kommentare



Seppatoni
Dieses Game hat es wirklich in sich! Ich gehöre ja eh zu den Spielern, die den ersten Teil gespielt haben, bis die Konsole rauchte, den 2. japanischen Teil habe ich jedoch erstmalig auf dem SNES in Mario All-Stars entdeckt und es hat mich da schon begeistert. Die große Herausforderung muss man einfach annehmen, die zahlreichen happigen Abschnitte steigern die Motivation bis in den Himmel und man kann das Pad nicht weglegen, ehe auch der letzte geheime Level gefunden ist. Nur den 2-Spieler Modus hätte man ruhig drinnen lassen können. Dennoch ein Wahnsinnsgame!



Phil
Eins vorweg: Ein Famicom nenne ich leider nicht mein Eigen, weswegen ich die japanische Version von Super Mario Bros. 2 bislang nicht als Original gespielt habe. Zu SNES-Zeiten durfte man sich Super Mario All-Stars aber einfach nicht entgehen lassen und so spielten meine Kumpels und ich das erste Mal die Lost Levels auf dem 16-Bitter. Bis zum Abspann hat es aber nie einer von uns geschafft. Jahre später, 1999 um genau zu sein, erschien dann Super Mario Bros. Deluxe für den Game Boy Color, welches dann auch das erste Spiel für mich auf diesem Handheld sein sollte. Nach einer Weile des Zockens war dann plötzlich das "unschaffbare Spiel", wie wir es immer nannten, in seiner Originalform wie auf dem Famicom frei geschaltet. Also stellte ich mich dieser Herausforderung, um über eins meiner vielen Videospielkindheitstraumas hinwegzukommen und wurde um eine wichtige Erkenntnis reicher: Unschaffbar sind die Lost Levels doch nicht! Trotzdem ist das Game eine harte Nuss und vor allem denjenigen zu empfehlen, die sich mit dem Original Super Mario Bros. unterfordert fühlen.